Gesicht zeigen

Die Rede für Gesicht zeigen hielt Angelika Graf

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen (UN) werden täglich über 32.000 Männer, Frauen und Kinder dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und in anderen Gebieten Zuflucht zu suchen.
Weltweit befinden sich derzeit mehr als 51 Mio. Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Hunger und Verfolgung. Sie leben überwiegend außerhalb Europas. Staaten wie Pakistan, Iran und Kenia beherbergen viel mehr Flüchtlinge als die reichen Staaten des Westens.

Mindestens 170.000 der Flüchtlinge z.B. aus Syrien und Afghanistan oder auch aus afrikanischen Staaten wie Eritrea und Somalia sind im letzten Jahr in Richtung Europa auf dem Seeweg über das Mittelmeer geflohen. Heuer sind es bis heute lt. UN ca. 300.000. Viele kommen nicht am rettenden Ufer an. Das Mittelmeer ist ein Massengrab geworden.
Aber auch der Landweg über die Türkei ist eine hochgefährliche Fluchtroute.
Die Verzweiflung der Menschen ist so groß, dass die Gefahr die Menschen nicht abschreckt und sie sich auch kriminellen Schleppern anvertrauen, die mit diesem Geschäft immer mehr Geld machen je höher die Hürden sind.
Mauern sind keine Lösung sondern verschärfen das Problem.

Die Menschen ertrinken, sterben in Containern. Über 70 Menschen, davon 5 Kinder sind jämmerlich in einem Kühlwagen erstickt, wie dieser Tage aus Österreich berichtet wird. Insbesondere alleinreisende Kinder und Jugendliche werden auf der Flucht oft Opfer von Missbrauch und Gewalt.

Diese Menschen sind Opfer, keine Täter, gegen die man sich wehren muss.
Diese Fluchtbewegungen sind nicht vom Himmel gefallen. Sie sind das Ergebnis von Gewalt und Krieg, der z.T. mit Waffen geführt wird, die europäische Firmen an die kriegsführenden Parteien verkaufen. Als ehemalige Bundespolitikerin sage ich: Sie sind ein schrecklicher Beweis, wie die Politik im letzten Jahrzehnt in ganz Europa versagt hat. Und Warnungen, die es auch im Deutschen Parlament gab, in den Wind geschlagen hat.

Und sie versagt heute noch! Die Bilder von der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland, aber auch die Bilder von Calais oder aus Ungarn sollten uns animieren, die Notlage dieser Menschen zu begreifen und zu helfen. Wer das nicht tut, hat kein Herz!

Und wer angesichts des Elends, das die Flüchtlinge hinter sich gelassen haben, diese Menschen hier in Deutschland mit Brandanschlägen und Überfällen auf Asylbewerberheime oder irgendwelche dumpfen rechten Parolen empfängt, zeigt nicht nur, dass er kein Herz hat,
sondern auch, dass er nichts verstanden hat von dem Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält – der Solidarität, auch mit denen, die in ihrer Not zu uns kommen. Die Nazis wollen diese Gesellschaft spalten und stellen sich damit außerhalb unserer Gesellschaft.

Wer – wie die Vertreter der „Rechten“ hier – die vielen Helfer hier in unserer Stadt anpöbelt oder ihnen per Internet androht, sie auf irgendwelche Listen zu setzen, der ist kriminell und gehört vor Gericht!

Wir dulden
Keine Hass-Tiraden auf Flüchtlinge und Asylbewerber
Keine Angriffe auf Wohnheime und Wohnungen von Asylbewerbern und Flüchtlingen
Keine Drohungen gegen Menschen, die sich um Flüchtlinge kümmern
Keine Herabwürdigung der Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind – aus welchen Gründen auch immer!
Nazis – raus aus unserer Stadt!

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