Initiativkreis Migration Rosenheim

Die Rede für den Initiativkreis Migration Rosenheim hielt Dr. Tom Nowotny

Wir vom Initiativkreis Migration setzen uns seit langem für Flüchtlinge in der Region ein. In den letzten Jahren haben sie eine zunehmende Unterstützung vieler Menschen in Rosenheim und Umgebung erfahren, und dafür sind wir dankbar.

Als Kinderarzt habe ich viele Kinder und Jugendliche untersucht, die ohne ihre Eltern zu uns geflüchtet sind. Ihre Schicksale, ihre Verletzungen sind erschütternd. Diese jungen Menschen brauchen unsere Unterstützung.

Vor kurzem haben die „Ärzte in sozialer Verantwortung – IPPNW“ eine Erklärung veröffentlicht, an der ich mitgearbeitet habe:

Rassismus macht krank – Medizin gegen Ausländerhass

Kaum jemand verlässt einfach so seine Familie, sein Zuhause, seine Freunde, sein gewohntes Umfeld, um sich auf eine lebensgefährliche Reise zu begeben, auf der es keinen Schutz und keine Garantien gibt. Oft ist Flucht der einziger Ausweg.

Die meisten Fluchtursachen liegen nicht im Globalen Süden, sondern direkt vor unserer Haustür.
Die Attraktivität und der Wohlstand unserer Länder gründen auf Verzicht, Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen in den meisten Herkunftsländern der Flüchtlinge. Dass sie in die Industriestaaten flüchten, ist eine logische Konsequenz.
Die Aufnahme von Flüchtlingen ist eine humanitäre Verpflichtung. Gleichzeitig ist sie auch eine große Chance für unsere Gesellschaft. Viele Menschen kommen mit hoher Motivation zu lernen und zu arbeiten in unser Land, das ohne einen solchen Zustrom bald hoffnungslos überaltern würde.
Wir Ärztinnen und Ärzte wissen: Ohne ausländische MitarbeiterInnen stünde unser Gesundheitswesen ganz schön schlecht da.
Wir setzen uns für die Gleichbehandlung aller PatientInnen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlechts, ihrer Religion oder Sexualität ein. Wir sprechen uns aus gegen Rassismus im Alltag des Krankenhauses und in der Praxis.
Wir haben nicht nur unmittelbar Verantwortung für unsere PatientInnen, sondern auch eine soziale Verantwortung für die Verhältnisse, die in unserer Gesellschaft herrschen. Sich zu informieren, Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren ist wichtig. Doch es bedarf auch einer gesunden Empörung. Rassismus geht uns alle an. Wir dürfen davor nicht die Augen verschließen, ihn herunterspielen oder bagatellisieren.
Rassismus macht krank. Er verursacht Angstzustände und Verunsicherung der Betroffenen und lässt unsere Gesellschaft erkranken. Leider müssen wir aktuell zunehmend Berichte von Übergriffen mit nationalsozialistischem und rassistischem Hintergrund zur Kenntnis nehmen. Doch sie sind kein Abbild, kein Spiegel unserer Gesellschaft. Eine breite Mehrheit setzt sich für die Rechte der Flüchtlinge ein. Davon zeugen viele lokale, aber auch bundesweite Initiativen.
Wir alle sind verantwortlich für den Prozess, der Demokratie formt! Wir sind handlungsfähig. Wir haben eine Stimme. Setzen Sie ein Zeichen. Nicht nur gegen Hetze, Fremdenhass und Gewalt, sondern auch für Vielfalt und Zusammengehörigkeit.
Insbesondere brauchen schutzbedürftige Gruppen unsere Unterstützung. Dies müssen staatliche Institutionen gewährleisten. Doch auch jede/r Einzelne von uns hat eine persönliche Verantwortung, diese Gesellschaft, in der wir leben, mit zu gestalten. Das kann in Form von Demonstrationen, Engagement in Willkommensinitiativen und antirassistischen Bewegungen sowie ganz konkret im alltäglichen Leben geschehen. Wichtig ist dabei, nicht nur mit dem Finger auf die „Bösen“ zu zeigen und diese zu verurteilen für ihre Untaten, sondern ein aktives Handeln dagegen zu setzen. Unsere Aktionen generieren positive Kräfte und Veränderungen. Damit können wir diese Welt besser und gesünder machen.
Gehen Sie hinaus, ergreifen Sie Partei und solidarisieren Sie sich mit Geflüchteten!

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